18 Wünsche für 2018

1. Die Coaching-Ausbildung beenden.
2. Einen Wal in freier Natur sehen.
3. Berge, die sich im See spiegeln.
4. In einer abgeschiedenen Hütte verweilen.
5. Den Grand Canyon bewundern (ohne zu viele Menschen hoffentlich).
6. Für ein sinnvolles Projekt schreiben.
7. Geld spenden.
8. Muskeln aufbauen.
9. Im Sonnenuntergang mit einem Bier und barfuß im Gras stehen und der Musik auf dem Herzberg-Festival lauschen.
10. Das Alte Land besuchen.
11. Mich in mehr Geduld üben und gleichzeitig sanfter zu mir selbst sein.
12. Lesen. Lesen. Lesen. Ein Buch pro Monat wäre schön.
13. Etwas spontaner werden.
14. Endlich diese eine verdammte Tasche kaufen.
15. Noch öfter mich selbst fragen: „Was möchte ich eigentlich?“
16. Im Stadtpark Tretboot fahren.
17. Die Wasserspiele im Planten un Blomen und einen Film im Freilichtkino sehen.
18. JA sagen.

17 Dinge, die ich 2017 gelernt habe

1. Das Leben ist wirklich endlich.
2. Gesundheit ist das höchste Gut eines Menschen.
3. Es ist okay, nein zu sagen – auch ohne eine Begründung.
4. Eine Rede vor vielen Menschen zu halten, ist gar nicht so schlimm. Mitunter sogar sehr schön.
5. Der nächste Auftrag kommt. Ganz sicher.
6. Fehler machen bedeutet nicht der Untergang.
7. Flensburg ist eine unterschätzte Stadt.
8. Etwas auszusprechen, was schon lange raus musste, ist befreiend.
9. Das zu tun, was einem guttut, ist nicht egoistisch. Es bewahrt vor Stress.
10. Echte Kriminalgeschichten können so spannend sein, wie ein fiktiver Thriller.
11. Ein Konzert der Lieblingsband kann auch mal schlecht sein. Das ist okay.
12. Orte zu sehen, die man schon immer mal sehen wollte, hinterlässt ein wohliges Gefühl.
13. Ich kann sie nicht alle retten.
14. Menschen kann man nicht ändern. Aber du kannst entscheiden, wie du mit ihnen umgehst. Jeden Tag.
15. Spontansein ist etwas Wunderbares. Verbindlichkeit auch.
16. Es ist möglich binnen einer Stunde vom Elbstrand nach Barmbek-Süd mit dem Fahrrad zu fahren ohne sich zu Verfahren.
17. Manche Tage sind mies. Aber irgendetwas Gutes gibt es immer. Wir müssen nur genauer hinsehen.

Wie ist es eigentlich….Einzelkind zu sein?

Es gibt Situationen in meinem Leben, da fällt mir auf, dass ich alleine mit meinen Eltern bin. Natürlich weiß ich das rational, aber bewusst wird es mir erst in bestimmten Momenten. Neulich zum Beispiel, als ich mich über die seltsamen Eigenarten meiner Eltern aufgeregt habe, die sie im Laufe der letzten Jahre entwickelten. Ich hätte gerne zum Höhrer gegriffen und meinen imaginären Bruder oder meine Schwester angerufen um zu fragen: „Sag mal, macht Mama das bei dir auch neuerdings? Und wusstest du, welches Hobby Papa jetzt für sich entdeckt hat?“

Stattdessen behalte ich diese Fragen für mich. Oder erzähle sie meinem Freund, der meine Eltern zwar mittlerweile sehr gut kennt, aber nun mal ja nicht blutsverwandt mit ihnen ist (zum Glück!!). Wie in solch banalen Angelegenheiten fehlt auch ein Austauschpartner in traurigen Zeiten. Ich bin immer auf mich gestellt. Und zu allem Überfluss kommt es mir so vor, als hätte ich eine Krankheit, sobald ich auf Menschen treffe, die auf die Geschwisterfrage ein Nein als Antwort bekommen. Äußere Reaktionen zeigen sich häufig in herunterziehenden Mundwinkeln und parallel hochhebenden Augenbrauen. Es ist der Mitleidsblick, auf den meist wenig später der Erkenntnisblick und diese Aussage folgt: „Was, du bist Einzelkind? Das merkt man gar nicht.“

Danke. Die Sache mit dem Teilen bekomme ich seit 31 Jahren ganz gut hin. Schon zu Barbie-Zeiten gab ich meiner Freundin immer Kleidung für ihre Puppe ab, die sie nicht hatte.

Einsam fühlte ich mich als Kind übrigens auch nie. In den diversen Sommerurlauben mit meinen Eltern kamen oft Freunde mit gleichaltrigen Kindern (und deren Geschwistern…) mit. Wir reisten mindestens genauso oft zu dritt wohin. Ich kannte es dann also nichts anders.
Weiterer Pluspunkt: Ich hatte mein eigenes Zimmer. Ein Reich nur für mich alleine. Und: Ich fühlte mich nie benachteiligt oder fand es uncool, schon getragene Sachen anziehen zu müssen.

Erst ab 20 habe ich mir manchmal ein Geschwisterkind gewünscht. Als ich mich durch diversen Liebeskummer geschlagen habe. Als ich meinen Bachelor-Abschluss in der Tasche hatte. Und als sich meine Eltern trennten. Ja, da wäre jemand blutsverwandtes schön gewesen.
Und wenn ich mir heute meinen Freund und seine Schwester ansehe, so vertraut Insider um sich werfend, dann werde ich manchmal etwas wehmütig.

Heute bin ich sicher: Wenn ich bereit fürs Baby bekommen bin, dann werden es zwei. Wobei, vielleicht sehe ich das nach Kind Nr. 1 ja auch schon wieder anders…

Review: Manchester By The Sea

Nicht vielen Filmen gelingt es, aus dem realen Leben zu erzählen. Die nicht zu dramatisch, nicht zu kitschig sind. Sondern einfach ein Abbild dessen zeigen, was sich in Millionen von Familien dieser Welt abspielt. Manchester By The Sea schafft genau das. 

Lee Chandler (Casey Affleck) ist ein gebrochener Mann. Ein Antiheld. Er ist eine introvertierte, arme Wurst. Ein Kerl, der viel Scheisse erlebt hat. So viel Scheisse, das sie für zwei Leben reicht. Diese traurige Seele, in Boston als Hausmeister arbeitend, soll sich um den Sohn Patty seines Bruders Joe kümmern, der an einem Herzfehler gestorben ist. Lee zieht von seiner Wohnung, die mehr einem Kellerloch gleicht, in das Haus zu Patty. Der steckt im besten Teenageralter, die Finger immer am Handy, der Kopf bei den Mädchen.
In Rückblenden tauchen wir ein in Lees Vergangenheit. Zurück zu seiner Frau Randi (Michelle Williams), mit er nicht mehr zusammen ist. Zu seinem Bruder, dem fünfjährigen Patty, dem Fischen mit der „Claudia Marie“ auf See, hier in der Einöde Manchester. Jeder kennt sich. Ein Ort so klein, dass es nicht mal für ein Bestattungsinstitut reicht. Fast gespenstisch wirkt die Stadt, um im nächsten Moment vor Schönheit zu ertrinken.
Für Lee gibt es dort nichts, was ihn hält. Aber er will das Beste für seinen Neffen. Das sagt er nicht, dazu ist er zu unbeholfen. Zu Wortkarg. Voller Angst. Gefühle beschreiben ohne ein „Fuck“ einzubauen? Unmöglich. Aber zeigen kann er sie. Durch Umarmungen, Tränen. Man möchte ihn in den Arm nehmen. Was muss dieser Mann selbst als kleiner Junge erlebt haben, um so viel Dreck mitzunehmen?
„Fuck, egal“, würde Lee jetzt sagen. Stößt sich Patty den Kopf am Gefrierschrank und weint bitterlich, weil sich die Trauer über den Verlust des eigenen Vaters endlich seinen Weg nach draußen bahnt, bleibt Lee solange bei ihm, bis er eingeschlafen ist.
Situationskomik wird in Manchester By The Sea ganz groß geschrieben. Überhaupt lachen. Über Absurditäten. Einen unbeholfenen Lee, der verdammt nochmal einfach nicht aus sich raus will. Der gefangen scheint in einer Kette aus Verdrängungen. Aufgrund von Erlebnissen, für die man ihn schütteln und vierteln möchte. Um ihn dann in den Arm zu nehmen und zu sagen: Es wird alles gut. Irgendwann. Du bist kein schlechter Mensch.
All das transportiert Casey Affleck auf wunderbare Weise in einem Film, der erfrischend anders ist und nicht verharmlost, beschönigt, übertreibt.

Nein, genauso ist es manchmal, das Leben: Tieftraurig, bewegend und absurd komisch-melancholisch.

35 Dinge, die ich 2016 gelernt habe

  1. Nicht zu wissen, was kommt, kann sehr befreiend sein.
  2. Sich zu streiten, bedeutet nicht das Ende einer Freundschaft.
  3. Nein zu sagen, auch nicht.
  4. Ich kann mit dem Rad durch Hamburg fahren ohne mich zu verfahren.
  5. Von einem Mojito kann man so betrunken werden, wie von dreien.
  6. Krank zu fliegen ist machbar. Aber verdammt anstrengend.
  7. Menschen, von denen du dachtest, du würdest sie nie wieder sehen, können sich wieder melden. Aber es ist dann nie so, wie es einmal war.
  8. Du kannst es nie allen Menschen Recht machen.
  9. Aber…aber…Nein. Kannst du nicht.
  10. Das Handy abends ab 19 Uhr auszuschalten wirkt Wunder.
  11. Du kannst es auch alleine.
  12. Darauf zu achten, was man selbst will, macht glücklich.
  13. Concealer ist wirklich eine sinnvolle Erfindung.
  14. In Barcelona ist es um den 24. Juli herum sehr laut wegen eines Feiertages.
  15. Kater wissen, wo sie wohnen.
  16. Und wenn sie länger als drei Tage weg sind, bedeutet das noch nicht das Ende.
  17. Samt ist ein ziemlich cooles und vielfältig einsetzbares Material.
  18. Alleine ins Kino gehen ist völlig okay. Ja, eigentlich ist es sogar ziemlich schön.
  19. In die Sauna alleine gehen, ebenfalls.
  20. Es ist, wie es ist.
  21. Man kann auch mit einem halben Zelt ein Festival überstehen.
  22. Truman Capote hat „Frühstück bei Tiffany“ geschrieben. Das wusste ich nicht. Und hätte es nie gedacht.
  23. Hast du etwas auf dem Herzen: Rede mit der Person. Aber teile ihr deine Gedanken niemals per Email mit. Niemals.
  24. Zwei Monate nicht shoppen? Absolut machbar.
  25. Höre auf das, was du willst, in dem du in dich hinein horchst.
  26. Du bist zu einem großen Teil für dein Glück selbst verantwortlich.
  27. Aus unbequemen Situationen lernt man am meisten über sich selbst.
  28. Das erste Bauchgefühl zeigt dir den Weg.
  29. Atmen beruhigt.
  30. Zwei Wochen kein Sport heißen nicht unbedingt gleich zwei Kilo mehr auf der Waage.
  31. Eine Waage sollte achtsam benutzt werden. Oder gar nicht.
  32. Über den eigenen Schatten zu springen zahlt sich aus.
  33. Katzen trinken aus Bechern.
  34. Ein Weihnachtsbaum kann auch von der Decke hängen.
  35. Tu es doch einfach. Jetzt.

Mein 2016

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende in schnellen Schritten. Und mal wieder stehe ich da und frage mich: „Wo zum Teufel ist die Zeit geblieben?“
Es waren aufregende 12 Monate für mich. In beruflicher und privater Hinsicht. Gesellschaftlich und politisch musste ich einige Male schlucken. Große Menschen sind gestorben. Und solche, die noch Leben, sind weiter gekommen, als ich es jemals für möglich gehalten hätte…
Mein Rückblick handelt von großen und kleinen Dingen, die für mich relevant waren (ich habe mit Sicherheit etwas vergessen…). Aber seht selbst:

Gesehen
The Revernant. Ein großer Film mit einem großen Leonardo DiCaprio. Mir bleibt nur zu sagen: Der Oscar ist sowas von verdient.
AnnenMayKantereit. Die Band hat letztes Jahr auf dem Burg Herzberg Festival schon für Gänsehautmomente gesorgt. In der großen Freiheit war das nicht anders.
Gilmore Girls. Mittlerweile hat sich mein Gemütszustand etwas verbessert, weil ich denke: Da kommt noch was.
True Detective. Welch wunderbare, großartig gespielte (Matthew, bist du es wirklich?) Krimi-Serie. Kann ich jedem, der auf diese Art Genre steht, wärmstens ans Herz legen. Suchtpotenzial garantiert. Und bloß nicht direkt vorm Schlafgehen gucken.
Landschaften. Sonnenuntergänge. Meere.

Gefühlt
Liebe. Einen Heiratsantrag bekommt man schließlich nicht alle Tage. Und schon gar nicht beschwipst von einem Mojito auf einem Lissaboner Aussichtspunkt.
Trauer. Mehrmals. Das war kein gutes Jahr für Musiker. Für mich waren Bowies und Prince Tode die überraschendsten und jene, die mich am meisten bewegt haben.
Erst Schock, dann Befreiung. Wenn ich eines dieses Jahr begriffen habe, dann, dass es manchmal sehr positiv ist, wenn sich Dinge von alleine erledigen ohne, dass ich sie beeinflussen kann. Dann hat man Platz für Neues.
Purer Schock. Vermutlich für die nächsten Jahre. Trump? Ernsthaft? Brexit? Echt jetzt?
Freude. Über verheiratete Freunde, Blog-Launches, die kleinen Dinge im Leben, Sommerferien, Freundinnen-Urlaube, Sonnentage, Wellenbaden, auditive Entdeckungen, Churros und gaaaaanz viel Konfetti.
Wut. Über den Terror, gewisse Politiker und die braune Suppe in Deutschland.
Erleichterung. Der Kater war drei Tage verschwunden. Das ist unüblich für Dio. Und als wir dachten, er käme nicht zurück, lag er plötzlich auf dem Parkplatz, einfach so. Vermutlich wurde er in einem der umliegenden Schrebergartenhütten versehentlich eingesperrt. Der kleine Mann war ganz schwach auf den Beinen, aber er lebte. Oh ja, er lebte.

Gekauft
Ein Samtkleid. Vermutlich ist es der Beginn einer großen Liebe.
Esszimmerstühle. Sie sind braun mit grünem Polster bezogen. Und sie waren ein Schnäppchen.
Concealer. Wer mich kennt, weiß, dass ich außer Mascara selten Kosmetik benutze. Seit drei Wochen habe ich die Kraft des Make-ups für mich entdeckt. Einen Concealer hatte ich mal, benutzte ihn aber nie. Welcome back.
Silberne Birkenstocks. Mein Freund fragte mich jedes Mal, wenn ich sie im Sommer getragen habe, ob ich nun damit ins All fliegen will. Ja, ich will.

Gehört
Blue & Lonesome. Die Stones haben sich mit ihrem neuen Album nicht neu erfunden. Sie sind vielmehr back to the roots gegangen – und das finde ich verdammt gut. Der Blues ist zurück, Baby! Mein Album des Jahres.

Gereist
So viel wie in diesem Jahr, bin ich selten vereist. Im Februar gings mit meinen Leeraner Mädels nach Rügen (Kanarische Inseln? Braucht doch keiner…), im März mit zwei Freundinnen nach Xanten (da gibt`s Hausboote, jaha), im Juni mit Mama nach Barcelona, im Juli mit einer Freundin nach Stockholm, im August mit meinem Freund, ähm, Verlobten, erst zum Festival nahe Kassel, dann nach Portugal und im September für ein Mädels-Wochenende nach Köln. Silvester verbringe in den Niederlanden. In „Wendy’s Farmhouse“. Nur ohne Pferde, dafür mit ganz viel Glühwein und guten Gesprächen.

Eine Vorsatzliste für 2017 habe ich übrigens nicht. Es ist eher eine Art Wunschliste oder Bucketliste. Vorsätze setzen mich nämlich so sehr unter Druck, das mir bei der Umsetzung die Freude flöten geht. Vielleicht liegt es auch an diesem Begriff. Ich werde jedenfalls ein paar Dinge aufschreiben, die ich 2017 gerne erleben möchte. Aber vor allem möchte ich so viel wie möglich bewusst leben. Und weniger an gestern und morgen denken. Ups, was das ein Vorsatz?
Wie auch immer: Ich versuche nun die letzten 17 Tage im Jahr 2016 zu fabelhaften 17 Tagen zu machen. 

Wie ist es eigentlich… Gilmore Girls – A Year In The Life gesehen zu haben?

Ich erinnere mich noch ganz genau: Kurz nach meinem Abi sagte eine Freundin: „Schau dir mal die Gilmore Girls an, das gefällt dir bestimmt.“ Zögerlich guckte ich die erste Folge – und war sofort begeistert. Das ist zehn Jahre her, seitdem habe ich alle Staffeln bestimmt 8 Mal durchgeschaut, den Theme lautstark mitgesungen, Tränen gelacht und geweint. Rory, dieses zielstrebige zarte Dinge, das wie ich früh davon träumt, Journalistin zu werden. Gilmore Girls – da fühlte ich mich immer angekommen. Ob zur Belohnung nach einem Lerntag für die Uni, bei Liebeskummer oder zum Frühstück nach dem Feiern – die Girls halfen bei jeder Stimmung.
Als bekannt wurde, dass es ein Revival geben soll, freute ich mich wahnsinnig und zählte die Tage bis zum 25. November. „Winter“ schaute ich mit einer Freundin, den Rest alleine. Vier Folgen in vier Tagen. Wie ich „Ein neues Jahr“ finde? Lest ihr hier. (BITTE NUR LESEN, WENN IHR DIE NEUE STAFFEL SCHON GESEHEN HABT)

WINTER

Es geht los – ohne „Where You Lead, I Will Follow“. Und das verwirrt mich. Egal, dafür sitzt Lorelai im Pavillion, es schneit in Stars Hollow. Rory kommt. Ich habe eine Gänsehaut, endlich sind die Girls zurück, wie wunderbar. Es ist so schön, dass mir fast eine Träne die Wange herunterläuft. Meine Freundin und ich müssen in den folgenden 90 Minuten mehrmals stoppen. Zu viel passiert, so viel wird geredet, so schnell (was habe ich das vermisst!). Wir wollen nichts verpassen. Es ist merkwürdig, aber schön nach und nach alle Charaktere, die sich teilweise extrem (Miss Patty), teilweise kaum (Lane) verändert haben, wiederzusehen. Kirk ist ganz der Alte und die Szene mit Lorelai so witzig. Emily ist dünner geworden, ihre Synchronstimme leider eine andere, daran muss ich mich gewöhnen.
Luke hat sich auch kaum verändert. Michel ist schwul, ausgesprochen wird dies aber kein einziges Mal (warum nicht?). Rorys „Freund“ Paul finde ich anfangs noch ziemlich lustig. Ihre Affäre mit Logan wundert mich im ersten Moment, im zweiten passt es aber irgendwie. Die Szenen mit Paris, Luke und Lorelai gefallen mir und auch der Umstand, dass Rory beruflich (und privat) in den Seilen hängt verspricht noch spannend zu werden.
Richards Beerdigung finde ich passend und sehr schön gemacht.
Insgesamt bringt mir die erste Folge ein wohliges Stars Hollow-Gefühl zurück. Ich bin zu Hause.

FRÜHLING

Lorelai und Emily sitzen zusammen bei der Therapeutin – dass die beiden endlich ihre Probleme angehen, finde ich wunderbar und das nicht-reden sehr passend. Doch im Laufe der 90 Minuten ziehen sich die Therapie-Szenen ein bisschen.
Als klar wird, dass Logan eine Verlobte hat, schrecke ich kurz hoch und frage mich, ob die beiden endlich ihr Happy End finden…
Die Szenen mit Naomi Shropshire nerven ein wenig, anfangs mochte ich diesen verschrobenen Charakter noch etwas. Aber im Laufe der Folge wirkt Rory einfach deplatziert neben Naomi, weshalb ich fast erleichtert bin, dass sie nicht ihre Co-Autorin wird. Rory Bewerbungsgespräch bei SandeeSays wundert mich: Sie würde niemals unvorbereitet in ein solches Gespräch gehen. Niemals.

SOMMER

Das Musical. Die ganzen 15 Minuten über frage ich mich: „Was soll das?“ Warum hat Amy diese Szene so verdammt lang werden lassen? Sie wollte scheinbar ihren Unmut und ihre Gesellschaftskritik loswerden, was total zu ihr und der Serie passt. Aber hätten da nicht auch fünf Minuten gereicht? Zumal: Lorelais Funktion im Komitee läuft ins Nirvana. Ich sitze die ganze Zeit kopfschüttelnd vor dem TV und hätte ehrlich gesagt am liebsten vorgespult.
Dass Rory die Stars Hollow-Gazette übernimmt war abzusehen, als es hieß, die Zeitung müsse eingestellt werden. Und irgendwie wundert es mich auch nicht, als Logan Rory sagt, dass seine Verlobte nun zu ihm ziehe.
Über Jess habe ich mich sehr gefreut, wenngleich er nur kurz zu sehen war. Dass er Rory nahe legt, ein Buch zu schreiben passt. Seine sehnsüchtigen Blicke sagen dann mehr als tausend Worte…
Lorelais Wild-Trip ist mir viel zu lang gewesen – den hätte man kürzer fassen können. Die Szene, in der sie Emily anruft, um ihre eine Kindheitsgeschichte mit Richard zu erzählen bringt mich zum Weinen. Hach.
Und trotzdem frage ich mich am Ende der Folge: Was soll da jetzt noch kommen? In 90 Minuten?

HERBST

Lukes Antrag ist für mich ehrlich gesagt nicht überraschend, aber schön. Die Hochzeit am Ende unspektakulär und trotzdem passt sie. Ich wäre nur gerne Teil der riesigen Party gewesen…
Sookie wiederzusehen freut mich. Am Ende der fünfminütigen Szene denke ich jedoch: Das hätte man gleich lassen können. Sie ist ja nicht mal bei Lorelais und Lukes Hochzeit dabei.
Als die Life&Death Brigade Rory überraschen, denke ich erst, sie träumt, finde die Szenen mystisch bis verwirrend. Am Ende hoffe ich die ganze Zeit, dass Logan bei Rory bleibt, sie sich nicht verabschieden. Es war ein schöner Abschied, aber ich wollte ihn nicht.
Dann, das Ende. Die viere Worte. DAMIT habe ich nicht gerechnet. Als Rory ausspricht, dass sie schwanger sei und der Abspann läuft, höre ich mich: „Was? NEIN!“ rufen.

Ich lasse die Folgen irgendwie immer noch sacken. Werde alle vier Episoden nochmal und nochmal schauen. Die erste Folge finde ich immer noch am besten. Zwei wird schwächer und über drei (was soll dieses Musical??) komme ich wohl nie hinweg. Und Rory schreibt ein Buch mit dem Titel „Gilmore Girls“  – wie geistreich und überraschend.

Natürlich gab es auch schöne Momente: Emilys Verwandlung, der Gilmorsche Wortwitz, Querverweise, Kaffee-Talks, Kirk, Erinnerungen an Richard. Aber ich finde, und das macht mich eigentlich am meisten traurig: Aus diesen 360 Minuten hätte man mehr rausholen können. Klar, die Zeit ist begrenzt, alles kann man nicht ausführlich erzählen. Aber die Leihmutterschaft läuft ins Leere, Sookies drei Minuten Aufritt ist überflüssig und Rorys Paul wird mit der Zeit vom Running-Gag zum Running-Flop, nämlich nicht witziger. Und die Therapeutin wird Musicalstar? Ernsthaft?
Immer, wenn Melodien aus den alten Staffeln liefen, was ja selten war, machte sich ein wohliges Gefühl in mir breit. Es sind auch diese Alltäglichkeiten zwischen Rory und Lorelai, die für meinen Geschmack zu kurz gekommen sind.

Am meisten nervt mich jedoch, wie wohl fast jeden Fan, dass wir nicht wissen, ob Logan der Vater ist. Oder diese One-Night-Stand in New York. Oder doch Paul? Wahrscheinlich ist es Logan. Und vermutlich wollte Amy Sherman-Palladino wie sie selbst mal in einem Interview sagte, dass Logan das für Rory ist, was Lorelai für Christopher darstellt. Ist Jess dann für Rory, was Luke für Lorelai ist?

Es ist doch so: Wir hatten nun fast zehn Jahre Zeit uns auszumalen, wie sich die Charaktere entwickeln, haben Rory vielleicht als Star-Journalistin mit Mann und Kindern gesehen. Und Lorelai und Luke, die heiraten, was ja nun auch passiert ist. Und ich finde nicht, dass ein Happy End mit einem von Rorys Ex-Männern zwingend ist, damit diese Serie einen runden Abgang findet. Aber ein bisschen Zuckerwatte brauche ich. Dieses absolut abrupte Ende lässt mich im Regen stehen. Das ist ein blödes Gefühl, zumal einfach nicht sicher ist, ob die Serie fortgesetzt wird.

Hätte Rory Lorelai nicht einfach in ihren letzten vier Worten sagen können: „Mum, ich brauch Kaffee“? Aber nein, es musste ja ein Ende mit einem lauten Knall sein. So laut, dass ich Ohropax brauche. Dabei hätte ich lieber zu einem Taschentuch gegriffen. 

Und dennoch: Where You Lead, I Will Follow. Wenn auch mit einem anderen Gefühl, als früher.

 

 

Ein paar weihnachtliche Gedanken

Ich erinnere mich genau an die Vorweihnachtszeit bei uns zu Hause. Am 30. November durfte ich für eine Stunde nicht mehr aus meinem Zimmer. Am nächsten Morgen erwartete mich dann ein Adventskalender entlang der Treppe drappiert. Dort überraschte meine Mama mich mit einem Schokobon oder einem Playmobilspielzeug, wie einem Heuballen (die fand ich aus irgendeinem Grund ziemlich cool). Später lag mal eine Badekugel in einem der Säckchen oder Dekosteine (die waren in den 90ern ziemlich angesagt, wir nannten sie „Nuggets“). Über unserem Esstisch hing unsere Toasterlampe (meine Eltern kamen auf die Idee, einen intakten Toaster als Lampe zu zweckentfremden), an der Baumkugeln dekoriert waren. Und auch einen Adventskranz bzw. Tablett gab es.

Weihnachten, das war immer eine wunderbare Zeit für mich. Das heimatliche Leer funkelte, die Honigwaffel vom Markt war ein Muss. Auf die verzichtete ich auch die letzten Jahre nicht. An Heiligabend gab es erst das Essen, dann die Geschenke. Und die folgenden Tage verbrachten wir damit, Kekse zu verputzen und Weihnachtsfilme zu schauen. In die Kirche sind wir nie gegangen, da meine ganze Familie nicht gläubig ist. Den Baum besungen haben wir trotzdem. Irgendwie gehörte das dazu.

Dann trennten sich meine Eltern, ich zog mit 21 Jahren aus und nach Hamburg. Bis ich 26 alt war, machte ich mir nicht mehr allzu viel aus Weihnachten. Ich empfand die Zeit als schön, aber mehr auch nicht. Am meisten freute ich mich eigentlich darauf, alte Schulfreunde in der Diskothek wiederzusehen. Das war mein Weihnachts-Highlight.

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Erst seit drei Jahren (oder fünf?) kann ich diese Wochen ab Mitte November wieder richtig genießen. Ich feiere die Lichterketten, den Duft auf den Märkten, diese ganz besondere Stimmung, das Gemütliche und ja, sogar das Hektische. Wobei: Vielmehr versuche ich mich von jener Hektik nicht anstecken zu lassen, sondern sauge die Eindrücke auf, bleibe in der Menschenmasse der Hamburger Innenstadt stehen und warte. Warte, bis der Weg kurz frei wird, schüttel höchstens manchmal den Kopf, wenn sich Touristen durch die Eingänge schieben, um direkt vor der Tür stehen zu bleiben. Aber ich ärgere mich nicht darüber. Wozu auch?

Einen Adventskalender bekomme ich manchmal (hust) von meinem Freund. Jedes Jahr mache ich einen für ihn. Dieses Jahr teilen wir uns einen zum Selbstbefüllen. Meine Adventsdeko beschränkt sich auf einen Adventsteller. Was vor allem daran liegt, dass ich es nicht so sehr mit dem Dekorieren und Arrangieren habe. Aber über einen kleinen Baum denke ich tatsächlich nach. In den nächsten Woche werde ich Plätzchen backen, Filme wie „Schöne Bescherung“, „Single Bells“ und „Familie Stone“ schauen. Und es mir mit Kerzen und Tee (oder Glühwein) gemütlich machen. Das reicht mir, das fühlt sich wohlig und gemütlich an. Während ich früher Heiligabend entgegen fieberte, wie wohl jedes Kindes, freue ich mich heute vielmehr über die Zeit davor und danach bis Silvester. Klar, die drei Weihnachtstage finde ich immer noch schön, ich liebe es, meine Liebsten zu beschenken und freue mich auch selbst darüber, etwas auspacken zu können. Aber das steht für mich nicht mehr im Fokus, dieser eine Abend. Er ist sozusagen wie ein Joker, der die Weihnachtszeit abrundet, aber den man nicht unbedingt braucht.

Kurz vor dem 24. fahre ich in die Heimat. Da wartet eine Tanne auf mich. Und meine Mama. Der Toaster ist wieder mit Baumkugeln geschmückt. Und der Weihnachtsmarkt, vor allem in der Altstadt, zeigt sich in den schönsten Lichtern. Auf die Honigwaffel freue ich mich jetzt schon.

This Velvet Dress

Es gibt Trends, auf die ich sofort anspringe. Und es gibt solche, für die ich eine Aufwärmphase brauche. Mit Samt ist das so.
Schon im letzten Jahr kaufte ich mir ein gebrauchtes Samtkleid von COS. Zu groß und daher zu sackig, landete es in einem Karton und wartet seitdem darauf, dass ich es bei Ebay zum Verkauf anbiete. Auch ein Vintage-Blazer wanderte in meinen Kleiderschrank. Ich trug ihn bisher genau zwei Mal. Samt und ich, das wird nichts, dachte ich mir.

Zwölf Monate später: Gestern schlenderte ich durch &otherstories – und da baumelte es an einem Kleiderbügel in der hintersten Ecke des Ladens: Ein locker fallendes Slipdress, das knapp über dem Knie endet und mit spitzem Dekolleté. Ich suchte ohnehin schon länger nach einem Kleid in diesem Stil, hatte aber keines aus Samt im Kopf. Das Thema ist durch, dachte ich. Doch dieses Kleid, das war Liebe auf den ersten Blick. Angezogen und gekauft, habe ich es nun als mein Heiligabend-Silvester-Teil auserkoren. Oder zum Feiern. Oder für die Arbeit. Ach, was. Dieses Samt-Kleid geht immer. Ich kombiniere es mit einem dünnen Rollkragen-Shirt, derben Boots und Oversize-Blazer. Aber seht selbst:

img_5640 img_5633
img_5623 img_5616img_5576img_5601img_5597Ich kann mir das Kleid auch sehr gut mit einem grauen oder weissem Shirt und Blouson vorstellen. Oder Sneakern. Ach, es ist einfach vielfältig kombinierbar, einsetzbar und damit ein absolutes Lieblingsstück.

Samt, irgendwie verstehen wir uns ja doch. Es kommt einfach auf das Kleidungsstück an. Und das hatte ich bis gestern nur einfach noch nicht gefunden.

 

Kleid: &otherstories
Strumpfhose: H&M
Chelsea-Boots: Dr.Martens
Rollkragen-Shirt: Zara (ausverkauft, ähnlich hier)
Ketten: Flohmarkt von einer Berliner Designerin. Leider habe ich ihren Namen vergessen
Blazer: Zara (aus dem letzten Jahr)
Schal: &otherstories
Tasche: Marc by Marc Jacobs (2013 gekauft)

Wie ist es eigentlich… mit einer Ponyfrisur zu leben?

Lieber Pony,

ich liebe dich. Seit neun Jahren bist du ein Teil von mir und zu meinem Markenzeichen geworden. Aber ich muss dir etwas sagen: Manchmal gehst du mir ziemlich auf den Geist. Du liegst nicht immer so, wie ich es möchte. Manchmal teilst du dich in der Mitte und das sieht dann bescheuert aus. Auf dem Rad muss ich ziemlich dämlich wirken, denn dann fliegst du hoch. Danach bist du durcheinander und ich muss dich zurecht zuppeln.

Wenn ich dich nicht täglich wasche, wirst du fettig. Alle zwei Wochen muss ich dich nachschneiden, sonst stichst du mir in die Augen und das nervt. Im Sommer schwitze ich unter dir. Im Winter möchte ich gerne eine Mütze tragen. Leider gibt es gefühlt nur ein Modell für dich, dass mein Gesicht nicht dramatisch scheisse aussehen lässt. Schlimm ist es, wenn ich die Kopfbedeckung absetze: Dann liegst du platt auf meiner Stirn. Und ich bekomme dich nicht mehr in Form. Du musst gewaschen werden. Schon wieder.

Du hast im Laufe unserer Beziehung verschiedene Emotionen bei meinen Mitmenschen ausgelöst: Meine Freundin sagte einmal, ich sehe mit dir aus, als hätte ich einen Vorhang im Gesicht. Von Männern höre ich, dass sie dich entweder ziemlich heiß finden oder sich fragen, warum denn da noch Haare sein müssen, sie würden ja das Gesicht halb verschließen und überhaupt sehe ich ja mit dir zu kastig aus. Du versteckst also anscheinend mein wahres Ich.

Du bist unberechenbar. Denn du liegst wochenweise anders: Im Moment teilst du dich gerne mittig. Das führt dazu, dass ich dich ständig nachkämmen muss, damit du sitzt. Deshalb schleppe ich seit neun Jahren eine Bürste mit mir herum – ganz zur Belustigung meines Umfelds. Ohne kennen sie mich nicht.

Ohne dich kennen sie mich aber auch nicht. Und ich möchte dich nicht mehr missen. Ich mag, dass ich morgens sofort eine Frisur habe. Ich mag, dass diese einen leichten 70er-Touch hat, was mich wiederum an Mode und Musik aus dieser Zeit erinnert, auf die ich ja eh ziemlich stehe. Und ich mag dich, weil mich gleichgesinnte Frauen manchmal interessiert mustern. Das ist der Pony-Vergleich, der mir zeigt: Denen geht es bestimmt ganz genauso.

Deine Bonnie